Jagdtradition in Isernhagen
Warum Geschichtliches?
In Isernhagen wird traditioneller Boden beritten. Damit die Tradition nicht zu einer Worthülse verkommt, möchten wir Ihnen kurz etwas zur Geschichte der Jagd in Isernhagen erläutern.
Die Hunde 1911
Die Königlich Hannöversche Meute
Meutejagden wurden nördlich von Hannover seit dem 17. Jahrhundert betrieben.
Seit 1815 war die Königlich Hannöversche Meute in Herrenhausen stationiert und jagte auch in Isernhagen.
Gerade das Jagdreiten wurde in dieser Zeit von dem Wahlspruch des Königshauses Hannover geprägt: "Suscipere et finere" (Beginnen und Beenden).
Diese Meute bestand aus Harriern und so ist es schon wieder traditionell, wenn die einzige Harriermeute Deutschlands auch Heute wieder nach Isernhagen kommt.
1866, im Deutschen Bruderkrieg zwischen Preußen und Österreich, verlor das Königreich Hannover seine Unabhängigkeit und wurde von Preußen annektiert, die Welfen wurden entthront und Hannover wurde zur Preußischen Provinz Hannover. Die Königlich Hannöversche Meute mit ihren Harriern wurde auf Preußische Weisung nach Hamburg verkauft und faktisch aufgelöst.
Der Preußische Rittmeister Eugen von Rosenberg gründete daraufhin kurzerhand den Militärjagdverein, der einige Foxhound ankaufte und so die Jagdtradition erhielt.
Stelldichein am 3.11.1910
Das Militär Reitinstitut
Mit Order vom 13.9.1866 wurde die Preußische Militär Reitschule von Schwedt an der Oder nach Hannover verlegt. Dort nahm das Militär Reitinstitut am 4.7.1867 seinen Betrieb auf. Bereits 1867 veranstaltete das Institut mit ihrer Fox Hound Meute, die sie von dem Militärjagdverein übernommen hatte, Schleppjagden auf dem noch Heute berittenen Boden Isernhagens.
1889 wurde der Rittmeister Reinhold von Eben Master der Meute des Militär-Reitinstitutes und führte diese zu besonderer Berühmtheit. Noch heute begeistert sein Buch "Das Jagdreiten" die Jagdreiter. Darin beschreibt er lebhaft die Jagden in Isernhagen. Seine Schilderung von einem ca. 8 Meter weiten Sprung über das Flüßchen Wietze im fliegenden Galopp erzeugt noch Heute Zweifel. Er ist jedoch historisch belegt und dokumentiert und wurde später öfters wiederholt.
Der Wietzesprung
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Das Reitinstitut wurde am 30.7.1914 aufgelöst und die Truppen zogen in den ersten Weltkrieg. Die Hunde wurden aufgeteilt und in private Hände einzeln zur Pflege übergeben. Rittmeister von Esebeck, der die Hunde jahrelang versorgt hatte, nahm sich aus Gram das Leben.
Zum Ende des 1. Weltkieges schrumpfte der Hundebestand von ehemals über 100 Hunden auf abgemagerte 16 Stück, die bei einigen anhänglichen Feunden der Meute über die schweren Kriegsjahre gerettet worden waren.
Isernhagen um 1910
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Die Kavallerieschule
Nach dem 1. Weltkrieg wurde am 1. Juni 1919 die Kavallerieschule Hannover gegründet, deren Meute unter dem aus England stammenden Master Blakeley schon 1919 wieder die erste Schleppjagd in der Varenwalder Heide und der Isernhägener Feldmark veranstaltete. Dabei verzichteten die Isernhägener Bauern in dieser schweren Zeit auf jegliche Entschädigung und ermöglichten so den Fortbestand des Jagdreitens. Die Meute selbst wurde im Jagdstall, dem so genannten "Blakelion" also dem heutigen Gelände des Reitervereins Hannover gehalten. Von dort jagten die Hunde vorwiegend in Isernhagen bis die Meute zusammen mit der Kavallerieschule 1938 nach Krapnitz bei Potsdam verlegt wurde.
Am 20.Juli 1944 erhoben die Offiziere der "schnellen Truppen", wie die Kavallerieschule nun genannt wurde, in der fehlerhaften Annahme, Hitler sei durch das Attentat der aus ihren Reihen stammenden Widerstandskämpfer ums Leben gekommen, ihre Gläser zum berühmten Toast "Meine Herren, das Schwein ist tot". Das leitete das unverzügliche Ende dieser traditionsreichen und ehrenhaften Einrichtung ein.
Nach dem Krieg wurden 60 Koppeln dieser Meute dem britischen Queens Bay Regiment im Raum Uelzen übergeben. Schließlich ging aus diesen Hunden die Niedersachsenmeute hervor, die in Isernhagen seit fast 60 Jahren wieder reitet.
Nach dem 2. Weltkrieg
Nach dem Krieg trat in Isernhagen die gleiche Entwicklung ein, wie in vielen anderen Teilen Deutschlands auch. Die Pferdeleute nahmen nun ihr Schiksal selber in die Hand und die Vereine traten an die Stelle, die zuvor vom Militär oder öffentlichen Einrichtungen ausgefüllt worden waren
So fand bereits wieder am 3.11.1949 die erste Jagd in Vereinsregie statt. Zwar gab es noch keine Meute aber der Grundstein war gelegt.
Ab 1953 jagten wieder die Hunde in Isernhagen und die Tradition der Schleppjagd wurde fortgesetzt.
Hubertusjagd 1953
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Zunächst wurde noch an den alten Stellen gejagt, bis in den 60. Jahren die Zersiedelung der Landschaft und der Zeitgeist das Bereiten der nun intensiv landwirtschaftlich genutzten Flächen vor den Toren der Stadt nahezu unmöglich machte.
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So war man froh, Anfangs der 70 Jahre auf den Truppenübungsplatz ausweichen zu können, auf dem noch heute das das Herzstück der Jagden stattfindet.
Namen wie die der Familien Oppermann, Leifers oder Deiters, die über Jahrzehnte die Tradition aufrecht erhielten und förderten werden uns dabei immer in bester Erinnerung bleiben.
Ein besonderer Dank gilt auch den Jagdreitern, die uns über Jahrzehnte lang die Treue gehalten haben. So ritt Hans-Wilhelm Vogeley seine ersten Jagden in Isernhagen nach dem Kriege noch mit seinem Pony und ist auch heute noch im ersten Feld zu finden.
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Der Geist des Jagdreitens
"In schnellem Tempo denken und handeln"
1890 wurde die Jagdordnung des Königlich Preußischen Reitinstituts veröffentlicht, in deren Päambel fogendes statuiert wurde:
"Zweck des Jagdreitens ist neben dem Vergnügen, welche dieselben jedem passionierten Reiter gewähren, den zum Militairinstitut commandierten Offizieren Gelegenheit zu geben, sich bei jeder Witterung in unbekannten, theils schwierigen Gelände, zu Pferde sich schnell und sicher zu bewegen, und das selbe auf seine Gangbarkeit, beurtheilen zu lernen. Hand in Hand geht damit die richtige Behandlung und Pflege des Pferdes, und die Beurtheilung seiner Leistungsfähigkeit, die für gewöhnlich gar leicht unterschätzt wird."
Zu dieser Zeit wurde auf bis zu 90 Jagden im Jahr über 6 Stunden und mehr der Fährte von Hannover über Isernhagen bis nach Fuhrberg gefolgt. Hierbei wurden nicht selten mehr als 150 Koppelricks und eben so viele Gräben überwunden.
Dabei wurden auf dem Gelände immer schon - auch vor dem Verbot der Wildjagd - Schleppjagden durchgeführt, weil gerade diese Art des Reitens schon zunächst für das Königliche preußische Militär-Reit-Institut und später für die Kavallerieschule Hannover den Höhepunkt der Ausbildung von Pferd und Reiter darstellte. Das Leitbild der Kavalleristen war dabei der Grundsatz "in schnellem Tempo denken und handeln". Nirgendwo wurde dieser so sehr gefördert, wie auf der anspruchsvollen Schleppjagd.
Das ergibt sich aus der zu dieser Zeit geltenden Reitervorschrift, wonach "durch keinen Zweig reiterlicher Ausbildung die zum dreisten, flotten Vorwärtsreiten querfeldein erforderlichen seelischen und körperlichen Eigenschaften bei Reiter und Pferd so erfolgreich geschult werden, wie durch das Jagdreiten".
So waren es letzlich diese jagdreiterlichen Tugenden, die nach der Gründung des Springstalls der Kavallerieschule im Jahre 1929 der Eqiupe aus Hannover bereits 1931 den seinerzeit größten reiterlichen Triumph der Welt, nämlich den Gewinn der Coppa d'Oro in Rom ermöglichten.
So ist es erklärlich, dass die Tochter des letzten Kaisers Wilhelms II, Viktoria Luise Prinzessin von Preußen, Herzogin zu Braunschweig-Lüneburg bis zu ihrem Ableben 1980 die Jagden regelmäßig besuchte und über deren Sportlichkeit wachte.
Prinzessin Viktoria-Luise
Das ist unsere Tradition, der wir uns gegenüber verpflichtet sehen.













































