Jagdlehrgänge
Jagdreiterlehrgänge
Wir sind in Isernhagen stolz auf unsere lange, sportliche Tradition der Jagdreiterei. Wer sich auf diese Tradition beruft, muss sich ihr auch stellen und dafür sorgen, dass der Geist des Jagdreitens und dessen Fertigkeiten auch an die nächste Generation weitergegeben werden. Denn schließlich bedeutet Tradition „Das Feuer zu schüren und nicht die Asche zu bewahren“ (Thomas Morus).
Dabei sind wir uns darüber bewusst, dass gerade das Jagdreiten uns Fähigkeiten abverlangt, die so im Viereck oder im Parcours nicht gebraucht werden oder manchmal sogar hinderlich sind. Wer beispielsweise ein festes Hindernis überspringt, reitet mit den Schenkeln und bleibt immer im Gleichgewicht, weil die Hindernisse starr und der Boden unberechenbar ist. Im Parcours hingegen drückt sichder gute Reiter mit den Knien aus dem Sattel, um das Pferd zu entlasten. Der typische Springlehrgang ist deshalb keine ideale Vorbereitung für das Jagdreiten.
Genau deshalb sind wir stolz darauf, regelmäßig Lehrgänge in Isernhagen veranstalten zu können und würden uns über Ihr zahlreiches Erscheinen freuen:
So wie es Andere sehen:
Als Veranstalter hat man es immer wieder schwer, seine eigenen Lehrgänge zu bewerten, deshlabfreuen wir uns, wenn unsere Gäste dieses übernehmen:
Zügel gleiten lassen in Isernhagen
15 ReiterInnen waren der Einladung von Eugen Klein nach Isernhagen gefolgt, um vom 31. 07. bis 2. 08. 2010 am Jagdreiterlehrgang mit Aidan O´Connell teilzunehmen. Die meisten kannten Aidan bereits; wir hatten natürlich vieles von dem, was über ihn und seine Ausbildungsweise berichtet wird, gehört und wollten uns nun ein eigenes Bild machen. Das ist auch gelungen!
Der Kurs war auf 2 1/2 Tage ausgerichtet. Der 1. Nachmittag diente dem Lösen und Lockern von Pferd und Reiter in der gesamten Gruppe sowie der Gruppeneinteilung für die beiden folgenden Tage. Für uns erstaunlich, dass dies bei der doch relativ großen Zahl von Pferden völlig problemlos und ruhig gelang. Neben dem wirklich großzügigen Gelände des Isernhagener Reitvereins gab dies schon einen klaren Einblick in Aidan´s Trainingsziel und –methodik; bemerkenswert bereits hier, wie schnell und engagiert er sich auf die individuellen und sehr unterschiedlichen Pferd-Reiter-Kombinationen einstellte.
Dieser Eindruck bestätigte sich durchgehend. Egal ob Einzelsprung oder Sprungfolge, hoch oder tief, Billard oder Wasser: immer ist Aidan 100%ig auf „das“ Paar konzentriert, und meistens kommt auch etwas Gutes dabei zustande. Für uns war speziell das Kapitel „Graben“ von Interesse, denn im Bergischen Land haben wir viel, aber keine Gräben. Entsprechend unsicher waren wir als Reiter, und kontra-motiviert unsere Pferde bei den ersten Ansätzen; auch Führpferde konnten sie zunächst nicht überzeugen. „Don´t look into the ditch; look at the trees“ and „Zügel gleiten lassen“ haben zwar nicht alles geregelt, aber ganz eindeutig den entscheidenden Beitrag dazu geliefert, dass das Thema Graben in kurzer Zeit erfolgreich behandelt werden konnte.
Wie schon gesagt: das Isernhagener Gelände lässt kaum Wünsche offen. Neben der 3er-Treppe und den Sprungfolgen über das Billard hat es uns die „Zielgerade“ mit dem Trakehner und den 5 Hecken besonders angetan; little Aintree of Isernhagen - Fliegen ist bestimmt nicht schöner! Und wenn doch mal was fehlt, wie etwa 50 m3 Wasser im Teich, dann haben Eugen und seine Töchter Anna und Lisa schnell eine Lösung; in diesem Fall war´s die Feuerwehr, die mal eben gepumpt hat, und schon war die Wanne voll. Chapeau!
Jüngst wurden/werden der „richtige“ Jagdsitz und das „richtige“ Jagdreitertraining verstärkt diskutiert. Diese Diskussion, auch gerne kontrovers, ist dann „richtig“, wenn sie frei von Dogmen und Eitelkeiten geführt wird. Wir haben ein ziemlich klares Bild vom Niveau unserer eigenen Reiterei und sind daher glücklich, von guten Ausbildern lernen zu können; Ralf Ehrenbrink steht hier stellvertretend. Aidan O´Connell ist, wie er selbst immer wieder betont, kein Guru; im Gegenteil. „I´m telling nothing new, and I learn from every course I´m teaching” ist nach unserer Überzeugung nicht nur dahingesagt, sondern ehrlich. Was ihn speziell für Jagdreiter besonders wertvoll macht, sind seine eigenen umfassenden Erfahrungen in den Disziplinen Parcoursspringen, Cross, Steeplechase und Jagd. Neben den vielen großen Gemeinsamkeiten kennt er daher eben auch die ebenso vielen feinen Unterschiede: z B erfordert ein 1,0 m hohes festes Hindernis in hohem Tempo und im Pulk angeritten einen anderen Sitz wie ein 1,50 m Parcoussprung aus einer engen Wendung oder nach einem 4,50 m breiten Wassergraben. Dominierend ist der Sicherheitsaspekt in Aidan´s Methodik: „don´t get ahead of the Schwerpunkt – keep your Hände low and your Körper ruhig for balance“ war einer seiner meistgebrauchten Sätze; „stand with your legs on the ground“ speziell bei Bergab-/Tiefsprüngen mit leicht vor dem Gurt gelagerten Absatz – keineswegs „old-english-liegend“ ist relativ einfach zu überprüfen ebenso wie „use your eyes for Geradeaus and for power“, um nur einige seiner zahlreichen Germ-Anglizismen zu bemühen. Und vielleicht am meisten beeindruckend: eine unglaubliche Eigenmotivation durch den gesamten Kurs und gegenüber jedem Teilnehmer, die wir in dieser Intensität noch kaum erlebt haben.
Das Ganze eingebettet in eine insgesamt völlig entspannte Gruppe, die sich auch im gastronomischen Bereich des gastgebenden Vereins bestens aufgehoben fühlte und die die Lehren und Eindrücke des Kurses mithilfe der Wunderkraft von Heidegeist noch bis weit nach dem Absatteln vertiefte.
Wir haben uns sehr begeistert auf den Heimweg gemacht und sind bereits aktiv damit befasst, Aidan im kommenden Frühjahr in den Großraum Köln zu bringen. Ideen zum Veranstaltungsort und Trainingsschwerpunkten bestehen; Anregungen sind herzlich willkommen.
Ulli & Harald Mayer





















